WPU "Literatur" im SJ 2018/19

Der folgende Text soll als „Making of“ dienen, um einen Einblick in die Entstehung der hier veröffentlichten Texte der Schülerinnen und Schüler des Literaturkurses 2018/19 zu geben. Er funktioniert als Parallelgedicht zu Heinrich Heines „Die schlesischen Weber“i, wobei sich die Parallelität auf den Aufbau und die Struktur beziehen und der Inhalt glücklicherweise viel optimistischer als damals bei Heine sein darf.

Die Literaten am Leichentuch?
Sie sitzen im Literaturkurs und erklären gespannt:
Kafka und Walter Moers, sie malen mit Worten anstatt mit der Hand.
Lesen ist schön, aber schreiben noch mehr.
Woll'n endlich zeigen, was wir können, ein Plan muss her!
Wir grübeln, wir grübeln!

Ein Hoch auf die Lösung, wir fliegen aus: drei Tage, drei Orte – dann lest ihr sie von uns, die gemalten Worte. Mit wanderndem Blick und viel Eis im Bauch entstehen Geschichten,
     vielleicht auch ein Buch.
So viele Ideen, viel mehr als genug.
Wir schreiben, wir schreiben!

Ein Hoch auf die Turnhalle mit Sportunterricht, der unseren Geist ganz wunderbar erfrischt. Die Stifte schwingen, das Blatt wird voller. Und auch für den Leser wird’s immer toller. Ich staune, ich staune.

Ein Hoch auf den Nordfriedhof ganz kurz vorm Gewitter Die Gräber, die Namen implizieren manch Tragik, manch Glitter. Erzählt die Geschichten unter sich vom Sturm biegenden Bäumen! Sie tauschen Ideen und feilschen um Worte, sie träumen. Sie denken, sie schaffen!

Oh Deutschland, wie reich ist es um dich bestellt, das alles ist nicht aufzuwiegen mit Geld: Sie spinnen die Fäden und weben mit Worten als junge Autoren, den neuen, guten Stoff für unsere Ohren. Wir leben, wir leben.

Ein Buch ist es nicht geworden, aber etwas Stoff können wir heute doch zum allgemeinen Vergnügen veröffentlichen. Viel Spaß mit den folgenden Texten aus dem Literatur-Vorhaben 2018/19.

Andrea Ahr

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Das Originalgedicht von Heinrich Heine „Die schlesischen Weber“ (1844)

Im düstern Auge keine Träne,
Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne: Deutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch -
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem Gotte, zu dem wir gebeten In Winterskälte und Hungersnöten;
Wir haben vergebens gehofft und geharrt, Er hat uns geäfft und gefoppt und genarrt - Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem König, dem König der Reichen, Den unser Elend nicht konnte erweichen, Der den letzten Groschen von uns erpreßt Und uns wie Hunde erschießen läßt -

Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem falschen Vaterlande,
Wo nur gedeihen Schmach und Schande, Wo jede Blume früh geknickt,
Wo Fäulnis und Moder den Wurm erquickt - Wir weben, wir weben!

Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht, Wir weben emsig Tag und Nacht - Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch - wir weben hinein den dreifachen Fluch -

Wir weben, wir weben!

Hier finden Sie eine Auswahl der literarischen Ergebnisse:
Sport ist Mord
Braun-Grün
Besser geht es nicht
Date
Ein Ball zu sein ist hart
Friedhof
Das Pferd in der Eisdiele
Erinnerungen
Rache
Dunkelheit
Der Trip
Orange-beige